Next Generation: Christopher Klonek - Weingut Boller-Klonek, Stadecken-Elsheim

Wie die neue Generation Ihr Weingut gestaltet ... und welche Ideen es zu Wein-Bau, Wein-Events oder Wein-Tourismus gibt. (Wein-Events siehe unten!)

Next Generation: Christopher Klonek - Weingut Boller-Klonek, Stadecken-Elsheim

Für den zweiten Beitrag unserer neuen Artikelserie sind wir ebenfalls gelaufen. Allerdings nicht weit – nur vom Ortsteil Elsheim ans andere Ende der Gemeinde nach Stadecken. Wir möchten uns gar nicht so sehr auf die Region des unteren Selztals beschränken, aber Christopher Klonek hat es uns schon länger angetan und daher möchten wir ihn nicht warten lassen. Weitere Vorschläge aus den Reihen der Leser:innen sind an dieser Stelle gern willkommen. Doch nun zum Thema: Wir berichten von Winemaker:innen die ins familiäre Weingut eingestiegen sind oder sich mit dem eigenen Weingut einen Traum erfüllt haben. Das müssen nicht Jungwinzer im klassischen Sinne sein, ist aber durchaus möglich.

Heute geht es weiter mit …

Christopher Klonek und Familie aus Stadecken

SLW: Christopher, schön, dass wir Dich heute besuchen können, um ein wenig über Dich und den Betrieb zu erfahren. Möchtest Du uns - als Warm-up - ein wenig von Dir und Deiner Familie erzählen?

Christopher: Wir sind ein klassischer Familienbetrieb (Link: Weingut Boller-Klonek). Seit 2019 bewirtschaften mein Vater und ich gemeinsam unsere rund elf Hektar Weinberge rund um Stadecken-Elsheim. Tatkräftig werden wir von unseren Frauen in der Vermarktung unterstützt. Für die Weinbergpflege und die Kellerarbeiten helfen uns zwei Minijobber und eine Saisonkraft.

SLW: Noch ein paar ganz persönliche Infos?

Christopher: Ich bin 32 Jahr alt, habe im vergangenen Jahr meine Frau Nicole geheiratet und seit wenigen Wochen ist unsere kleine Tochter Alina Sophie auf der Welt. Nachdem ich erst spät meine Leidenschaft für den Weinbau entdeckte und ich 2019 meine Ausbildung als Winzer erfolgreich abgeschlossen hatte, bin ich ohne Umwege in unseren Familienbetrieb eingestiegen – es gab einiges zu tun und ich wollte voll mithelfen. Aktuell bin ich in der Weiterbildung zum Winzermeister.

SLW: Zunächst hast Du etwas ganz Anderes gemacht, was auch Dein etwas höheres „Einstiegsalter“ in den aktiven Weinbau erklärt. Möchtest Du darüber kurz berichten?

Christopher: Da ich auf einem Weingut groß geworden bin, hatte ich bereits als Kind und Jugendlicher viele Einblicke in das Winzerleben. Allerdings entschied ich mich nach meiner Schulzeit erst einmal für eine ganz andere Karriere – ich machte eine kaufmännische Ausbildung bei einem lokalen Medienunternehmen. In dieser Branche war ich dann doch knapp zehn Jahre tätig, bis nach und nach mein Interesse zum Wein so groß wurde, dass ich meinen Job aufgab und mich für ein Leben als Winzer entschied – eine der besten Entscheidungen meines Lebens!

SLW: Anschließend bist Du in den elterlichen Betrieb eingestiegen. Und mittlerweile hast Du Dich auch in die Leitung des Betriebs eingebracht?

Christopher: Ja, nach meiner Ausbildung und mit meinem Einstieg in das Familienunternehmen haben wir direkt eine GbR gegründet. Aber nicht nur auf dem Papier bin ich Mitinhaber unseres Betriebs, auch in der Praxis durfte/konnte ich direkt einige Aufgaben übernehmen und nach meinen Vorstellungen umgestalten. Mich freut es sehr, dass ich von meinem Vater direkt ein so großes Vertrauen erhalten und meine Ideen nach und nach umsetzen kann. So durfte ich zum Beispiel noch während meiner Ausbildung meinen Wunsch umsetzen, einen Weißwein, ich habe mich für Chardonnay entschieden, im Barriquefass auszubauen.

Christopher und die Zukunft von „Boller-Klonek“

SLW: Euer Betrieb betreibt außer dem eigentlichen Weingut auch eine Straußwirtschaft?

Christopher: Genau! Seit mittlerweile über 30 Jahren gibt es unsere Straußwirtschaft bereits! Vor Corona hatten wir ausschließlich in den Wintermonaten geöffnet. Corona zwang aber auch uns zum Umdenken und so öffneten wir im vergangenen Jahr auch im Sommer unseren Hof. Unsere Gäste und wir waren vom Zuspruch begeistert und daher möchten wir auch in den nächsten Jahren daran festhalten. Da wir seit 2012 unsere Weine komplett vegan ausbauen, haben wir auch unsere Küche erweitert. Neben den klassischen Gerichten wie Spundekäs, Wingertsknorze und Schnitzel, etc. kommen auch Vegetarier/Veganer voll auf ihre Kosten. Unsere Küchenchefin Ulla und ihr Team kreieren hier „moderne“ Köstlichkeiten wie Currys, Falafel, verschiedene Salatkreationen … [der SLW-Redakteur nickt aus eigener Erfahrung kräftig mit dem Kopf].

SLW: Was ist Dir im Bereich der direkten Weinvermarktung wichtig?

Christopher: Mir ist der direkte Kontakt zu unseren Kunden sehr wichtig. Wir sind normalerweise mehrmals im Jahr deutschlandweit auf Weinmessen anzutreffen, außerdem machen mir Weinproben mit Einzelpersonen oder auch größeren Gruppen großen Spaß. Hier bieten wir pandemiebedingt in letzter Zeit auch regelmäßig Online-Weinproben an, um mit den Kunden unsere neuen Weine zu probieren und uns gemeinsam darüber auszutauschen. Außerdem sind unsere jährlichen Weinwanderungen auch für uns selbst immer ein Highlight, um mit unseren Gästen gemeinsam in den Weinbergen unterwegs zu sein, die jeweiligen Weine zu probieren und den Tag gemeinsam mit dem ein oder anderen Glas Wein im Weingut ausklingen zu lassen.

SLW: Habt ihr darüber hinaus ein besonderes Projekt?

Christopher: Ja, wir haben seit kurzem eine Kooperation mit einem branchenfremden Unternehmen und ein wirklich tolles Projekt ausgearbeitet. Der Chef und die Mitarbeiter möchten mehr über die Arbeit hinter der Flasche Wein kennenlernen und auch selbst mal Hand anlegen. Das Ganze ist eine Art Teambuilding – auch um dem täglichen Arbeitsstress für kurze Zeit zu entfliehen.

SLW: Wein ist ein Lebensgefühl, die Weinkultur seit 2021 sogar unter dem Schutz der UNESCO. Was wünschst Du Dir, um dieses „Feeling“ noch besser transportieren zu können?

Christopher: „Wein ist Trend: Weintrinken ist Lebensfreude“ – besonders toll finde ich, wie sehr sich in den letzten Jahren junge Menschen (also etwa zwischen 18 und 30) mit Wein auseinandersetzen. Sehr oft bin ich von dem Knowhow und dem großen Interesse (auch bezüglich der Weinherstellung) unserer jüngeren Kunden begeistert. Deshalb mein Wunsch: Weiter so!

SLW: Hast Du und das „Boller-Klonek-Team“ konkrete Wein-Events geplant?

Christopher: Wir werden auch in diesem Jahr wieder zwei Weinwanderungen im Sommer anbieten. Den neuen Jahrgang werden wir in den nächsten Monaten als Online-Probe und hoffentlich auch wieder als Präsenzveranstaltung im Weingut vorstellen. Unser Hoffest wird dieses Jahr aus privaten Gründen eine kleine Pause einlegen und im kommenden Jahr wieder stattfinden.

Betriebliches Wunschkonzert

Ich wünsche mir von

  • meinen Eltern: Weiterhin angenehmes Arbeitsklima und gemeinsame Projekte

  • meiner Frau: Weiterhin eine so tolle Unterstützung

  • der Weinwerbung (rheinhessen.de): Präsenz in Social Media steigern

  • von der Gemeindeverwaltung/Verbandsgemeindeverwaltung: Unsere tolle Weinlandschaft nicht mit Windkraftanlagen zu verschandeln!

  • meinen Kundinnen und Kunden: Weiterhin so viele treue Kunden, die Spaß an unseren Weinen haben

Lieber Christopher, vielen Dank für das spannende Gespräch!

Kontakt zum Weingut Boller-Klonek:

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