Next Generation: Marlene Schuck - Weingut Schuck, Schwabenheim

Wie die neue Generation Ihr Weingut gestaltet ... und welche Ideen es zu Wein-Bau, Wein-Events oder Wein-Tourismus gibt. (Wein-Events siehe unten!)

Next Generation: Marlene Schuck - Weingut Schuck, Schwabenheim

Zum Start unserer neuen Artikelserie sind wir nach Schwabenheim gelaufen. Gelaufen? Ja gelaufen, denn StadtLandWein war in den letzten zwei Jahren ca. 1000 km zu Fuß in Rheinhessen unterwegs, und so sind 5, 10 oder 15 km - also die nähere Umgebung von Stadecken-Elsheim keine echte Herausforderung. Doch nun zum Thema: Wir berichten von Winemaker:innen die ins familiäre Weingut eingestiegen sind oder sich mit dem eigenen Weingut einen Traum erfüllt haben. Das müssen nicht Jungwinzer im klassischen Sinne sein, ist aber durchaus möglich.

Heute geht es los mit …

Marlene Schuck und Familie aus Schwabenheim

SLW: Marlene, schön, dass wir Dich heute besuchen können, um ein wenig über Dich und den Betrieb zu erfahren. Möchtest Du uns - als Warm-up - ein wenig von Dir und Deiner Familie erzählen?

Marlene: Meine Eltern Detlef und Gundhild Schuck stammen beide aus Weinbau- und Landwirtschaftsbetrieben. Anfang der 90er wurden die Betriebe Schuck (Vaterseite) und Schmitt (Mutterseite) zusammengelegt. Beide Familien haben schon immer Weinbau und Landwirtschaft im Haupterwerb betrieben. Der Standort „Sonnenhof“ wurde 1969 von meinen Großeltern mütterlicherseits gebaut. Sie brauchten damals mehr Platz für die Schweinezucht. Peu a peu wurde der Betrieb vergrößert und wegen der guten Lage am Schwabenheimer Ortsrand als Mittelpunkt für die Fusion der beiden Betriebe gewählt (Google Maps).

SLW: Noch ein paar ganz persönliche Infos?

Marlene: Ich bin 31 Jahre jung, reise gerne, treffe mich mit Freunden und genieße die Natur. 2009, nach meinem Abi, habe ich zunächst ein Praktikum beim DLR Oppenheim absolviert, was mich auf ein Studium in Geisenheim (Weinbau und Oenologie) vorbereitet hat. 2012 habe ich mich dann jedoch auf meine Abschlussprüfung als Winzerin konzentriert. Danach folgte die Fortbildung zur Weinbautechnikerin beim DLR Bad Kreuznach. Im Laufe meiner Ausbildung war ich zu weiteren Praktika in Südtirol und Australien. Während der Ausbildungszeit war ich auch immer zuhause im Weingut aktiv, seit Juli 2015 bin ich nun fest im Familienbetrieb.

SLW: Gutes Stichwort! Damals bist Du in den elterlichen Betrieb eingestiegen. Und mittlerweile hast Du Dich auch in die Leitung des Betriebs eingebracht?

Marlene: Ich bin Teilinhaberin. Meine Eltern und ich haben das Weingut als GbR organisiert. Für die Bereiche Marketing und Weinausbau bin ich hauptverantwortlich, gehe aber auch mit in die Weinberge um die Handarbeiten zu erledigen. [Anm. der Red.: Sie fährt auch gern Traktor!] Die Aufgaben im Außenbetrieb werden hauptsächlich von meiner Mutter, der landwirtschaftliche Teil hauptsächlich von meinem Vater organisiert. Wir harmonieren sehr gut zusammen - sowohl beruflich als auch privat. Ich habe von Anfang an viele Freiheiten bekommen, hatte quasi freie Hand im Keller. Mir ist der Austausch untereinander sehr wichtig, so werden zum Beispiel Entscheidungen immer zusammen getroffen. Jeder hat „seinen“ Bereich, wir helfen uns jedoch überall gegenseitig.

Marlene und die Zukunft des Sonnenhofs

SLW: Der deutsche Weinbau - und speziell wir hier in Rheinhessen - haben viele Gruppen und Grüppchen bei denen man sich als Winzerin organisieren kann. Das fängt bei den Jungwinzer:innen an und hört beim VDP auf. Wir vermuten, dass auch Du ein wenig mitmischst?

Marlene: Beim „Weinsalon Rheinhessen“, einer Jungwinzergruppe mit Betrieben aus ganz Rheinhessen, bin ich sehr aktiv. Vor Corona haben wir in den Sommermonaten (April - September) After-Work-Veranstaltungen in Mainz am Hiltonhotel oder im Hof des Landesmuseums und seit 2019 auch in Darmstadt veranstaltet. Bei der „Generation Riesling“ bin ich Mitglied, war aber leider noch nie auf einer Veranstaltung. Als Netzwerk der „U35-Winemaker“ schätze ich das Projekt trotzdem sehr.

SLW: Euer Betrieb ist ein Mischbetrieb. Ein Relikt der Vergangenheit oder eine ganz bewusste Entscheidung dieses Konzept weiter zu führen?

Marlene: Sowohl als auch! Die aktuelle Betriebsstruktur mit Landwirtschaft und Weinbau wird erstmal bestehen bleiben. Was in 25 Jahren ist, kann ich jedoch jetzt noch nicht sagen. Mir selbst liegt sehr viel an der Landwirtschaft und der Wertschätzung der regionalen Produkte.

SLW: Und was ist Dir im Bereich der Weinvermarktung wichtig?

Marlene: Ich finde den direkten Kundenkontakt nach wie vor sehr wichtig. Klar kann man diesen nicht zu allen Kunden halten (z.B. Online-Bestellungen), aber persönliche Beratung und Verkauf finde ich sinnvoll, um auf die jeweiligen Bedürfnisse der Weingenießer eingehen zu können. Im Verkauf soll generell noch mehr Augenmerk als bisher auf die Direktvermarktung von Flaschenwein gelegt werden. Es ist schwer, neue Kunden zu finden. Ich denke aber, dass wir durch unser „Weinpäuschen“ und den „Vinomat“ schon in die richtige Richtung gehen. Dadurch konnten wir den Absatz von Flaschenwein schon spürbar erhöhen.

SLW: Wein ist ein Lebensgefühl, die Weinkultur seit 2021 sogar unter dem Schutz der UNESCO. Was wünschst Du Dir, um dieses „Feeling“ noch besser transportieren zu können?

Marlene: Ein eigener Verkaufsraum wäre schön, eine Art kleine Vinothek. Aktuell ist der Verkauf in unserem Gastraum. Bei externen Familienfeiern oder anderen Veranstaltungen kann man leider dem Weinkunden nur wenig Produkte präsentieren. Unser „Weinpäuschen“ im Fässchen und der „Vinomat“ bleiben natürlich weiterhin bestehen. Wir bekommen immer so viel positives Feedback hierzu. Vor allem die Wanderer auf der Hiwweltour Westerberg sind so dankbar und froh, dieses Angebot zu haben [Anm. d. Red.: Marlene strahlt]. Eine weitere wichtige Gelegenheit die Weinkultur zu vermitteln, sind unsere Gästezimmer. Wir haben drei tolle Zimmer und so können Wanderer, Radfahrer oder einfach ruhebedürftige Gäste ein schönes Wochenende im Selztal verbringen, unseren Wein genießen und müssen am Abend nicht mehr mit dem Auto nach Hause fahren.

SLW: Weitere Wein-Events, über das „Weinpäuschen“ hinaus?

Marlene: Wir haben uns für dieses Jahr überlegt, von Mai bis Juli jeweils am 2. Freitag einen „Feierabendschoppen“ anzubieten. Im August knüpft dieser Termin dann an unser Hoffest oder wie wir es nennen „SommerWeinNacht“ an. In diesem Jahr hoffen wir, Ende April zusammen mit unseren Weinbau-Kollegen aus Schwabenheim das bekannte „Wein & Tapas“ wieder durchführen zu können. Im Oktober findet auch wieder unser Herbstabend in Hof und Halle statt; das sind die Termine die wir bisher haben. (Feierabendschoppen: 13.05., 10.06., 08.07., SommerWeinNacht: 12./13.08., Herbstabend: 14./15.10.)

Betriebliches Wunschkonzert

Ich wünsche mir von

  • meinen Eltern: Dass wir weiterhin so gut zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen wie bisher,

  • der Weinwerbung (rheinhessen.de): Instagram-Takeovers oder Vorstellung von Betrieben wären cool, gefallen mir z.B. bei Generation Riesling oder VDP sehr gut

  • von der Gemeindeverwaltung/Verbandsgemeindeverwaltung: Mehr Werbung für betriebsspezifische Angebote (Events o.ä. auf der Homepage)

  • meinen Kundinnen und Kunden: Dass sie uns weiterhin treu bleiben und den Spaß am Genuss von Wein nicht verlieren

Liebe Marlene, vielen Dank für das spannende Gespräch!

Kontakt zum Weingut Schuck:

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