Next Generation: Sebastian Hofmann - Weingut „Sebastian Zellertal“, Wachenheim/Rhh.

Wie die neue Generation Ihr Weingut gestaltet ... und welche Ideen es zu Wein-Bau, Wein-Events oder Wein-Tourismus gibt. (Wein-Events siehe unten!)

Next Generation: Sebastian Hofmann -  Weingut „Sebastian Zellertal“, Wachenheim/Rhh.

Für den nächsten Beitrag unserer Artikelserie haben wir das Weingut „Sebastian Zellertal“ in Wachenheim im Zellertal besucht. Sebastian Hofmann wird uns dort zum Interview zur Verfügung stehen. Weitere Vorschläge aus den Reihen der Leser:innen sind an dieser Stelle gern willkommen.

Doch nun zum Thema: Wir berichten von Winemaker:innen die ins familiäre Weingut eingestiegen sind oder sich mit dem eigenen Weingut einen Traum erfüllt haben. Das müssen nicht Jungwinzer im klassischen Sinne sein, ist aber durchaus möglich.

Heute geht es weiter mit …

Sebastian Hofmann aus Wachenheim

SLW: Sebastian, schön, dass wir Dich heute besuchen können, um ein wenig über Dich und den Betrieb zu erfahren. Möchtest Du uns - als Warm-up - ein wenig von Dir und Deiner Familie erzählen?

Sebastian: Ich bin verheiratet, 36 Jahre alt und führe seit 2013 den Betrieb nun in der dritten Generation. Mein Opa Hans hat vor etwas mehr als 50 Jahren aus dem Wachenheimer Ortskern an den Ortsrand ausgesiedelt. Neben meinem Engagement im Aufsichtsrat der Winzergenossenschaft bin ich auch der erste Vorsitzende des Wachenheimer Sportvereins.

SLW: Noch ein paar ganz persönliche Infos – Auslandserfahrungen oder ähnliches?

Sebastian: Ich habe den größten Teil meiner weinbaulichen Erfahrungen im Ausland, vor allem in Neuseeland, aber auch in Australien und Kalifornien, gesammelt. Die dort gesammelten Eindrücke haben meinen Blick als Winemaker komplett verändert und stellen eine wertvolle Bereicherung zu meinen Studien in Geisenheim dar. Ein wesentlicher Teil davon ist das „Easy going“, was einen guten Teil meiner Unternehmensphilosophie beschreibt.

SLW: „Sebastian Zellertal“! Du könntest ja auch weiter unter „Weingut Hofmann“ Deinen Wein vermarkten. Was hat es mit diesem Namen auf sich?

Sebastian: Wie ich oben schon erwähnt hatte, bin ich doch recht weit in der Weinwelt herumgekommen. Die Namensgebung für Weingüter bzw. Weinmarken hat in Deutschland eine relativ gleichartige Struktur, die sich meist am Familiennamen anlehnt. Um dazu einen Kontrapunkt zu setzen, habe ich 2015 meinen Vornamen mit der Region „Zellertal“ kombiniert und als Weinmarke eingeführt. Diese Kombination ermöglicht es meinem Team und mir zukünftig unsere Weine auch international gut zu vermarkten. Ähnliche Namensgebungen habe ich auch hier in Deutschland, vor allem in vielen Branchen der Startup-Szene, beobachtet und finde diese moderne Form sehr zukunftsweisend.

SLW: Du hast 2017 innerhalb des elterlichen Betrieb Deine eigene Weinlinie vorgestellt und hast danach die Leitung des Betriebs übernommen. Sind Deine Eltern immer noch im Betrieb engagiert?

Sebastian: Ja, spielt eine große Rolle. Mein Vater leitet weiterhin den Außenbetrieb und betreut die Mitarbeiter, die uns in den Weinbergen helfen. Meine Mutter unterstützt im Außenbetrieb und kümmert sich auch um Vermarktung, Verkauf und Logistik. Neben meinen Eltern ist auch meine Frau Kathrin – parallel zu ihrem Beruf – fest eingebunden und unterstützt mich tatkräftig.

SLW: Nachdem Dein Vater den ursprünglich rein landwirtschaftlichen Betrieb um ein Weingut mit Fass- und Flaschenweinvermarktung erweitert hat, ist der Ackerbau verpachtet. Wie wird es weitergehen bzw. sind bereits konkrete Projekte in der Umsetzung und weitere Ideen in der Vorbereitung?

Sebastian: Ja, zurzeit stehen ganz aktuell verschiedene Modernisierungsprojekte an. Außerdem wird sich baulich einiges bei uns ändern, hierfür haben wir mit einem Architekturbüro schon erste Entwürfe besprochen. Mit einem neuen Mitarbeiter werden neue Vertriebskanäle erschlossen.

SLW: Der deutsche Weinbau - und speziell wir hier in Rheinhessen - hat viele Gruppen und Grüppchen bei denen man sich als Winzer:in organisieren kann. Das fängt bei Jungwinzergruppen an geht über regionale Vereinigungen wie z.B. „Zellertal open Friday“ und hört beim VDP auf. Wir vermuten, dass auch Du ein wenig mitmischst?

Sebastian: So richtig mitmischen kann ich aufgrund mangelnder Zeit nicht. Selbstverständlich bin ich bei „Zellertal aktiv“ Mitglied. Dieser Verein setzt sich sehr für ein attraktives Zellertal ein. Auch beim „Zellertal open Friday“ – ein ganz hervorragendes Wein-Event – war ich schon als Gastwinzer dabei und freue mich bereits heute auf die nächste Einladung oder gar eine feste Station. Für „Maxime Herkunft“ kann ich mich sehr begeistern – mal schauen wie ich mich da zukünftig einbringen könnte.

SLW: Wandel kennzeichnet jede Generation, so auch in der Weinwirtschaft. Was ist Dir im Bereich der Weinvermarktung wichtig, wo siehst Du die „Zukunft“??

Sebastian: Ein enger persönlicher Kontakt zur Kundschaft ist uns wichtig. Wein ist mehr als nur ein Produkt und ein persönlich bekanntes Weingutsteam kann eine tolle, tragfähige Kundenbindung garantieren. In diesem Bereich werden wir zukünftig noch aktiver sein. Online-Shops und Social Media sind immens wichtig und genießen in der näheren Zukunft unsere volle Aufmerksamkeit. Zusätzlich sehen wir große Potenziale in Kooperationen zwischen Weingütern und freuen uns auf zukünftige Gemeinschaftsprojekte.

SLW: Wein ist ein Lebensgefühl, die Weinkultur seit 2021 sogar unter dem Schutz der UNESCO. Was wünschst Du Dir, um dieses „Feeling“ noch besser transportieren zu können?

Sebastian: Zum einen versuchen wir dieses Feeling bei Weinpräsentationen gut zu vermitteln und zum anderen ist es uns wichtig die Vorzüge der Region „Zellertal“ besser zu transportieren. Gerade dafür bieten wir den Akteuren gerne unsere Unterstützung an.

SLW: Welche Weinevents sind im Weingut „Sebastian Zellertal“ im Jahr 2022 geplant?

Auch in diesem Jahr haben wir wieder eine ganze Serie von Hoffesten geplant. Nach Möglichkeit sollen die saisonalen Höhepunkte thematisiert werden. Auch das Residenzfest Mitte August in KiBo wird wieder bespielt. Weitere Ideen sind in der Vorbereitung. Dazu regelmäßig mehr auf der Web-Site.

Betriebliches Wunschkonzert

Ich wünsche mir von

  • meinen Eltern: dass die bisherige Unterstützung so weitergeht und sie uns bei zukünftigen Projekten weiter mit voller Kraft begleiten,

  • der Weinwerbung (rheinhessen.de): eine noch bessere Sichtbarkeit bei der überregionalen Präsentation, gerne auch für die verschiedenen Kleinregionen

  • von der Verbandsgemeindeverwaltung: ein sichtbares Engagement für Weinbau und Tourismus im Zellertal, vor allem im Einklang mit den pfälzischen Nachbargemeinden.

  • meinen Kundinnen und Kunden: dass sie unserem Weinstil weiter folgen und mit Begeisterung die Weine genießen.

Lieber Sebastian, vielen Dank für das spannende Gespräch!

Kontakt zum Weingut Sebastian Zellertal:

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